Hallo, mein Name ist Wiebke-Anka Koch und ich bin die Initiatorin und Vorstandsvorsitzende der self eG.

Heute bin ich genau 1 Woche zurück von meiner 4-wöchigen Auszeit, in der ich mich seit 3 Jahren das erste Mal so gut wie gar nicht um 'mein Baby' gekümmert habe. Könnte das überhaupt gut gehen? Bin ich nicht unersetzlich? Ist es unverantwortlich self und den selfHUB in dieser Phase für so lange zu verlassen? Oder eher verantwortlich?
Ich wollte in dieser Zeit noch mal herausfinden, was mich eigentlich zur Gründung von self bewegte, ob ich, ob wir auf dem 'richtigen' Weg waren, was meine Rolle in und um self sein könnte in Zukunft und so vieles mehr.
Wie ist es zu self gekommen, werde ich immer wieder gefragt. Wie kommt es, dass davon nichts in der Netzwirken Challenge erzählt wird? Nun, Matthias auf dem David Bowie Stuhl hat mich ja schon gut als eine der Jägerinnen porträtiert, um dann Benjamin zu verleiten, mich für den Sonntag anzukündigen. Clever, sehr clever! Also...kein Ausreden mehr, es macht ja auch Spass - zugegeben. Es ist nicht die kürzeste Geschichte, aber zum Glück sind wir hier ja nicht in der Schule, wo weiterlesen Pflicht ist ;-)
...ich hatte mal einen Traum. Den Traum davon, mich endlich nicht mehr zwischen diesen unauflösbar scheinenden Widersprüchen entscheiden zu müssen.
Will ich etwas Sinnvolles tun, die Welt ein bisschen besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben? Oder doch lieber steile Karriere und gutes Geld verdienen?
Will ich in einem Unternehmen arbeiten und mir meine Partner, Kollegen, Projekte aussuchen lassen und dafür in den Genuss einer vorhandenen Struktur, professionellen Arbeitsbedingungen und regelmässigen Gehältern kommen? Oder selbständig und damit unabhängig sein, mir meine Kunden, Kooperationspartner und Inhalte selbst aussuchen, aber dafür eben auch allein dastehen?
Und warum, verdammt noch mal, gab es keine Möglichkeiten, das zusammenzuführen? Oder gab es sie doch?
Was wäre, wenn wir die Vorteile der Selbständigkeit, freiberuflichen Tätigkeit und des Gefühls, einen wichtigen Beitrag zu leisten und das Geschenk des Lebens nicht einfach so zu verschwenden kombinieren könnten mit den Vorteilen eines grösseren Unternehmens? Was wäre, wenn wir mit Gleichgesinnten unter einem Dach, in professionellem Umfeld mit allem Drum & Dran arbeiten könnten und gleichzeitig unsere Selbständigkeit erhielten?
Was wäre, wenn wir all' die Annehmlichkeiten einer professionellen Infrastruktur mit Büro, Verwaltungsstruktur, Marketing, Einkauf, Zugang zu Know-How, Kooperationspartnern, Finanzen, etc nur dann bezahlen müssten, wenn wir sie benötigen? Und was wäre, wenn das Element der 'Gleichgesinnnten' nicht auf dem Beruf, der Branche oder dem Sektor beruhte, sondern auf gemeinsamen Werten und Vorstellungen von einer neuen Form zu leben und zu arbeiten?
Wenn es das gäbe, hätten wir wahrhaftig eine Plattform für Entrepreneure mit Nachhaltigkeit in allen Aspekten quasi eingebaut:
- sie könnten das tun, was ihnen wirklich, wirklich am Herzen liegt (PASSION ganz im Sinne von Fritjof Bergmann) und vor allem etwas unternehmen GEGEN die Missstände in unserer Gesellschaft, die sie schon immer gestört haben und FÜR eine Gesellschaft, in der das Leben für uns und die nächsten Generationen wieder sinn- und wert-voll ist.
- sie könnten in den Bereichen arbeiten, die ihren Talenten und Stärken (KOMPETENZ) am besten entsprechen (denn, das was sie nicht so toll können und wollen, können wiederum andere im Netzwerk).
- sie könnten ihr Unternehmen durch die Bündelung von Kernfunktionen wesentlich effizienter gestalten und auch bzw. gerade Organisationen mit einem gesellschaftlichen Anliegen so aufbauen, dass es sich und den Initiator im mindesten selbst trägt (WIRTSCHAFTLICHKEIT).
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Und da mich dieser Traum nicht in Ruhe gelassen hat, ich ihm auf die Dauer auch nicht länger ausweichen konnte, musste ich es wenigstens versuchen. Nachdem meine Mutter 2004 mit 59 Jahren den Kampf gegen Brustkrebs verloren hatte, hab ich mich noch mehr bestärkt gefühlt, dass ich nicht länger hadern und zaudern durfte. All das Jammern und Klagen, all das 'das funktioniert vielleicht in Australien oder sogar England, hier in Deutschland aber nie', 'such Dir lieber einen sicheren Job, nimm an, was Dir angeboten wird', 'wir sind so klein und hilf- und nutzlos, wir können ja doch nichts bewegen' ging mir gehörig auf die Nerven.
Letzte Auslöser und Mutmacher waren dann Bücher wie 'Synchronicity - The inner path to leadership' von Joseph Jaworski, 'Presencing' von Otto Scharmer und das Wissen, dass ich nicht allein dastand mit meiner Vision von einer neuen Generation Unternehmer.
Auf der Konferenz der Society for Organizational Learning in Wien im September 2005 brachen alle Dämme und ich 'outete' mich das 1. Mal vor den ca. 300 Teilnehmern und ging ein Commitment ein, self - die Social Entrepreneurship & Leadership Foundation - zu gründen. Von dieser Konferenz sind noch heute viele Teilnehmer Wegbegleiter, Berater, Freunde. Unzählige andere sind dazu gekommen, die sich Schritt für Schritt mit uns fragen, wie solch eine Vision von einem anderen Wirtschaften in der Praxis gelebt werden kann. Tag für Tag, mit der Hoffnung jedes Mal ein Stückchen besser zu werden.
Und wenn ich am Aufgeben bin, ist immer jemand da, der mich und unsere Idee ein Stückchen weiter trägt. Inzwischen fällt es mir manchmal schwer zwischen Freunden und Kollegen zu unterscheiden, aber eins ist klar: die Sehnsucht nach anderen, alten und neuen Formen der Zusammenarbeit, nach Sinn, nach Werten, nach Spass, nach Leichtigkeit, Tiefe, Teilen von Schmerzen und Freuden und die Zuversicht, dass gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Mitteln effizient gelöst werden können - mit der stehe ich und stand ich nie allein.
Und so gibt es jetzt self, das Netzwerk von und für Social Pioneers, die neue Generation Unternehmer. Mehr dazu unter www.selfhub.de. Kommt doch einfach mal vorbei bei uns, macht Euch selbst ein Bild von den Menschen, die unser Netzwerk und den Hub nutzen und ausmachen. Von den Utopisten, Ashoka's, Better Cotton, Eco Fashion Junkies und Sinnvest-Finanzern dieser Welt. Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Wenn ich dann noch, wie gestern geschehen auf der ersten Utopia Konferenz '10- a toolbox for the next 10 years' mit 500 Gleichgesinnten den Tag verbringen darf und in die Nacht feiere, kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als Social Pioneer zu sein!
Mehr über die Konferenz von den vielen Live Bloggern dort auf
http://utopia.de/wissen/menschen/utopia-konferenz-live-blog?et_cid=14&et_lid=20128
Eure Wiebke
Liebe Wiebke, ich danke Dir für Deine Zeilen die mich sehr gerührt haben. Es war ein Fest Dich endlich mal wieder auf Utopias Geburtstagsevent gesehen und gesprochen zu haben - wie Recht Du hast, dass eine solche Nacht "magic" ist, wenn die junge Aktivisten Szene zusammen kommt (selten genug)... Ich bin stolz darauf Menschen wie Dich zu kennen, sich ähnelnde Sorgen, Hoffnungen und Erfolge teilen zu dürfen und zu sehen wie wir immer mehr Spuren hinterlassen die, ganz Profan gesagt, die Welt verbessern werden...
Danke Dir und der ganzen Self, dass Ihr das Wagniss eingeht einer der ersten challenger zu sein....
Liebe Wiebke,
du bist einer der außergewöhnlichsten Menschen in Deutschland und was du angestoßen hast und mit welch kreativer Energie du den HUB voranbringst, das ist absolut bewunderswert. Ein kaum fassbares Glück, dass Du dich für Deutschland entschieden hast ;) Geh weiter deinen Weg in Berlin, das Land und die Menschen werden es Dir bald Danken.
Liebe Wiebke,
ich schliesse mich meinen beiden Vorrednern an. Rock on!
Liebe Wiebke, als jemand der viel lesen und schreiben muss (darf) bin ich natürlich nicht in die Tiefe deiner Ausführungen gegangen, aber umso öfter schleiche ich mich ja ins Hub zwecks persönlichem Austausch ;-) Thanks for everything, eure Aktionen sind für mich immer eine super Inspiration. Und meine Stimme habt ihr jetzt auch endlich!
Bis Freitag,
Daniel K.