Auch wenn die “Free Hugs Campaign” nun schon ein wenig länger aus den aktuellen Medien ist und dem ein oder anderen bekannt sein sollte, möchte ich hier doch auch noch einmal darauf aufmerksam machen, da es sehr viel Mut macht zu sehen, wie ein echter und warmer Gedanke die Welt ein wenig verändern kann…
Ich glaube fest daran und hoffe sehr, dass netzwirken diese Kraft haben wird, das Wichtigste zu motivieren was jeder von uns hat: Den echten Menschen in uns und seine Stimme. netzwirken möchte die Entwicklung stoppen, die es so schwierig macht „echt“ miteinander zu kommunizieren. Oft legen wir uns diesen "Panzer" zu, da die Erwartungen an uns, durch Werbung und Erziehung gefördert, immer mehr dahin gehen: - Nicht "Wer", sondern "Was" bist - scheint wichtig. Die soziale Stellung wird immer mehr durch "Haste was - biste was" geprägt.
Mit netzwirken wollen wir Euch und Eure Meinung in den Vordergrund rücken - Macht dahin zurück führen, wohin sie gehört: Zu jedem einzelnen von Euch! Das Wichtigste ist für uns Euer Urteilsvermögen und Eure Stimme. Bewertet für Euch die Beiträge der beiden Challenger (Projekte) und entscheidet selber wer Euch am meisten überzeugt und wer die Zuwendungen durch ein Unternehmen am besten verwenden wird. netzwirken ist ein demokratischer Prozess, der konkret etwas bewirken wird und in dem Ihr wirken könnt; in dem das Abgeben Eurer einzelnen Stimme das Elementare ist, um das sich alles drehen wird: Hans Reitz hat es eigentlich ganz gut ausgedrückt (...auch wenn er evtl. aus einer anderen Generation, mit einem anderen Wording, ist, sorry Hans Reitz ;) ): POWER TO THE PEOPLE!
netzwirken hat nur diese eine Voraussetzung. Netzwirker sind nicht billiger Content-Lieferant, wir wollen nicht Daten durch Euch generieren und diese zu Geld machen, wir möchten nicht an Eure Geldbörsen. Nur Eure Stimmabgabe ist grundsätzlich. Alles weitere darüber hinaus ist freiwillig: Ob Ihr den „Netzwirker-Award“ gewinnen möchtet, ob Ihr Kommentare oder Fragen zu den Projektbeiträgen machen möchtet, ob Euch die Projekte soweit überzeugen, dass Ihr die Unternehmenszuwendung noch erhöhen möchtet – nichts ist zwingend. Datentechnisch wird nur eine Email Adresse verlangt werden, und dies auch nur, um Mehrfachstimmen vermeiden zu können.
Natürlich brechen wir mit einigen Tabus oder Althergebrachtem: Das ist auch unsere Motivation! Ich habe einfach nach 4 Jahren Erfahrung in der Szene des Fundraisings und der NGO`s einfach die „Schnauze voll“ von dieser "Doppelzüngigkeit". Wir wollen endlich ein paar Masken herunter reißen: Ich habe keinen Bock mehr drauf, dass Fundraising in Deutschland oftmals suggeriert, als ob jeder der damit zu tun hat, ein „Gutmensch“ ist und sich die meisten hinstellen a la „wir machen es nur um zu helfen“. Auch das Spielen mit den Emotionen kotzt mich an: Zu Weihnachten der zigste Spendenaufruf „mit dem Kind, mit den großen braunen Augen, aus dem Müll weinend, mich vorwurfsvoll anschauend“… Was soll das? In unseren neuen multimedialen Lebensstilen braucht es keine Keule mehr, damit man um all die Grausamkeiten, die jetzt gerade, in dieser Welt geschehen, Bescheid weiß. Es fehlt meiner Meinung nach an Ehrlichkeit, Transparenz und neuen Konzepten die ins Heute passen. Wenn man sich Bestehendes anschaut: Promigalas im Fernsehen, die außer dem PR-Wert für die Anwesenden, soviel bringen, dass die Kosten dafür fast die Spenden „auffressen“. PR-Kampagnen die doppelt so teuer sind als das, was sie bringen. All die Skandale (die wenigen, die es schaffen, durch die gut geschmierte PR-Maschinerie an die öffentlichkeit zu dringen) in dieser Szene – was geht da ab? Organisationen, in denen nach „Bearbeitungsgebühren und Verwaltungsaufwand“, teilweise nur noch 15 Cent vom gespendeten Euro bei den Hilfsbedürftigen ankommen. Millionenbeträge, die nach der Tsunamie-Katastrophe noch auf irgendwelchen Konten liegen etc. Und dann doch wieder: „Wir tun es ja nur für das Gute…“
Dadurch werden auch wir es teilweise schwer haben, und auf dem ersten Blick bei einigen bestimmt ein „Na klar, laber weiter…“ auslösen, wenn wir sagen: Ja, unsere größte Motivation ist es: Gutes zu tun! Doch hoffentlich wird sich dies ändern, wenn wir auch weiter sagen (und hoffentlich) eine Diskussion auslösen: Natürlich haben wir Kosten – und diese wollen wir decken und wir wollen auch Geld verdienen!: Wir hoffen gut in dieser Diskussion abzuschneiden, wenn wir unserer Maxime folgen, die da ist: Transparenz und Ehrlichkeit!!
Es ist meine überzeugung, dass in der jetzigen Welt, wie die Menschen sie aktuell gestalten, eine der größten Kräfte, auch für Veränderungen, eine „echte“ soziale Marktwirtschaft ist. Wirtschaftliche Prinzipien als Antrieb für das Gute nutzen: Ich habe mein persönliches Wohlergehen mit unserem Wirken für das Gute verknüpft. Je mehr wir wirken, desto einfacher wird sich mein eigenes Leben gestalten. Deshalb haben wir transparent unser Geschäftsmodell offen gelegt. Um nicht alles doppelt zu erzählen findet Ihr es rechts in „Die Idee“.
Wie gezeigt, gibt es zwei Komponenten in unserem Modell - die Unternehmen und die Projekte. Dazu ein wenig mehr: Erstens, die Marktwirtschaft bei den Unternehmen – sie legen selber fest, wie hoch ihre Zuwendungen an die Projekte sind, und an der Höhe der Zuwendung haben wir unsere Entlohnung geknüpft, was für uns wiederum bedeutet: Je besser wir performen und je mehr Netzwirker wir durch unser Konzept und unsere Inhalte zum wirken bewegen können, desto höher werden die Zuwendungen der Unternehmen ausfallen, desto besser können wir unsere Kosten decken. Zweitens gibt es die Entlohnung durch die Projekte. Der Entscheidung dafür, ist bei uns eine lange, intensive und heftige Diskussion vorangegangen. Die Argumente, die uns alle überzeugt haben sind darauf begründet, dass wir die Projekte als gleichberechtigte Partner ansehen, die für eine Dienstleistung bezahlen. Wir möchten neben den Zuwendungen erreichen, dass Projekte Respekt und ein neues Verständnis für Fundraising erreichen. Keine entwürdigenden Anträge auf Zuwendungen oder ein betteln um Spenden (battle statt betteln...), sondern eine geschäftliche Partnerschaft mit Leistung und Bezahlung dieser Leistung. Grundsätzlich wollen wir auch hier Diskussionen anstoßen: Wir wissen, dass viele Fundraiser ein vielfaches an Gebühren verlangen und diese Zahlen teilweise wie der „heilige Gral“ verschlossen gehalten werden. Um auch hier der Transparenz gerecht zu werden: Unsere Entlohnung ist für die Projekte rein erfolgsabhängig. Der Kostenbeitrag ist 9% auf generierte Beträge durch die Netzwirker, die freiwillig (!) die Unternehmenszuwendung „On Top“, per Paypal oder SMS, erhöhen können. Die ausgelobte Unternehmenszuwendung geht natürlich zu 100% in die Projekte. Ergänzend sei noch gesagt: Von allen evtl. Gewinnen der Netzwirken GmbH gehen 51% an die Agelos Foundation, die weitere „Social Entrepreneurships“ identifiziert, prüft und unterstützt.
Ooops - Entschuldigung, wenn ich vom eigentlich geplanten Inhalt des Postings abgeschweift bin und teilweise meine Wortwahl. Doch immer „kriegen“ mich diese Thematiken und schließlich bin ich ein „Junge aus dem Ruhrpott“, wo das „direkte“ Wort „gepflegt“ wird…
Deshalb noch einmal zur Free Hugs Campaign:
Juan Mann kehrte 2004 aus England nach Australien zurück. Da er niemanden hatte, der ihn bei seiner Ankunft begrüßte, fühlte er sich im Gewimmel des Flughafens mit all den Menschen die sich in die Arme fielen sehr verlassen. Dies wollte er ändern und so fuhr er in eine belebte Fußgängerzone und hielt ein Schild mit nur zwei Wörtern hoch: FREE HUGS (Freie Umarmungen). Es funktionierte und er bekam seine Umarmungen - bis die Polizei Ihm ein Verbot erteilte. Juan Mann gab sich nicht geschlagen und sammelte Unterschriften dafür, dass er weiter freie Umarmungen verteilen kann. Er kriegte die benötigten 10.000 Unterschriften und auch die Aufmerksamkeit der Medien. Es wurde ein Video gedreht, was um die Welt ging: Die Free Hugs Campaign verbreitete sich unter anderem durch das Video (alleine auf Youtube über 20 Mio. Mal angeschaut), und bis heute ist es ein globales Phänomen: Vor ein paar Wochen habe ich von einem jungen Mann in Dortmund meinen “Free Hug” bekommen…
-Nachtrag 21.06.08-
Es liegen ja turbulente Wochen hinter uns (Onlinegang, Trennung von Mike etc.) und so hat sich netzwirken munter weiter entwickelt und wir sind wieder mehr zu dem Kern von N und auch uns selber gekommen. So hat sich das "Geschäftsmodell" von NW (auch durch die Überprüfung unserer eigenen Motivation und eine größere Homogenität im nun ausführenden Team) weiter geändert. Wir haben uns durch die Realität in Deutschland überzeugen lassen, und gehen noch nicht den Schritt die Projekte zu sehr einzubinden. Also wird NW für diese nun komplett kostenfrei sein. Die 9% habenwir ersatzlos gestrichen. Auch sind die Kosten für ein Unternehmen erheblich niedriger. Wir haben nun eine lockere Richtschnur die wir intern festgelegt haben, werden aber jeweils mit den einzelnen Unternehmen die jeweilige challenge besprechen und nach Aufwand individuelle Kostenerstattungen festlegen. Auf gar keinen Fall sind es nun noch 50% on Top, sondern erheblich günstiger.