Bei mir ist schon Halbzeit mit der Arbeit in Bangladesch und ich muss mich mit meiner Wochenendplanung hier schon beeilen. Dieses Wochenende bin ich alleine hier, mein Kompagnon ist mit dem Schiff ins Gangesdelta gefahren. Das mache ich auch noch mal...
Hier gibt es ansonsten quasi keine Touristen (wenn man ca. einmal die Woche ein weißes Gesicht sieht grüßt man sich schon freundlich und fängt fast ein Gespräch an. Deshalb ist es schon "Reisen für Fortgeschrittene" hier alleine unterwegs zu sein: man wird natürlich ständig angestarrt und es verfolgt einen der freundlich-ungläubige Ausruf "bideschi", das heißt Ausländer. Fast keiner kann Englisch, hab' schon einiges an Bengali gelernt um durchzukommen. Ich würde sagen Bangladesch ist ein echter Geheimtipp für Reisende die möglichst als Erste eine Gegend erkunden möchten und die entsprechenden Herausforderungen suchen. Ich wette, dass der Tourismus hier auch bald richtig losgeht, sie wollen deshalb die Visabedingungen bald ändern.
Kontakt haben wir hier mit Missionarspriestern eines amerikanischen Ordens, von denen einige seit ca. 50 Jahren in Bangladesch sind. Dort sind wir Mittwochsabends immer zur Plauderstunde mit anschließendem Dinner eingeladen. Das ist echt interessant und bereichernd. Eine ganz andere Welt und sehr beeindruckende Menschen.
Gestern haben mich die Fathers mit aufs Land genommen zu einem Seminarzentrum. Schön ruhig und schöne Landschaft. überhaupt muss man so viel wie möglich aus dieser Stadt raus, das Land ist gerade so schön, alles ist hellgrün vor allem durch die Reisfelder, die gerade hochschießen.
übrigens LASSE ich hier nähen...!!! :-)) Habe 3 Blusen und die traditionelle Kombination aus langer Bluse, Schal und weiter Hose namens "Kameez" in unserem „Schulmädchen-lernt-nähen-Projekt“ in Auftrag gegeben. Man tut also sogar noch was Gutes dabei, kann aber auch nur die hiesigen Klassiker erwarten. Bin schon gespannt.
Habe natürlich schon einigen Stoff und Saris gekauft , aber die Frage ob ich das wirklich brauche darf ich mir natürlich nicht stellen.
Die Menschen hier sind sehr klassisch gekleidet: Frauen mit Sari ( ca. 6m lange Stoffbahn, das Ende über den Kopf gelegt und drunter die enge kurze Bluse) oder vor allem die jüngeren mit o.g. "Kameez". Die dunkle moslemische Burka ist angenehmerweise seltener, nimmt aber in den letzten Jahren wohl zu und damit auch die Anzahl der fundamentalistischen Moslems. Die einfacheren und ärmeren Männer tragen fast alle ein Hemd und darunter das "Lungi", ein langes rundgenähtes meist kariertes Tuch, das vorne geknotet ist. Die reicheren und modernere tragen Jeans oder Herrenhose und Hemd.
Auch charakteristisch ist hier die typisch asiatische Art zu hocken mit flach auf dem Boden aufliegenden Füssen auf den Fersen zu hocken.
Merle M. 07.04.2008